Lohnt sich eine Mini-Solaranlage?

Balkonkraftwerke unter die Lupe genommen...

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Photovoltaikzellen wandeln Sonnenlicht in elektrische Energie um, die dann im Haushalt verbraucht werden kann. So kann man den Elektrizitätswerken ein Schnippchen schlagen!
Photovoltaikzellen wandeln Sonnenlicht in elektrische Energie um, die dann im Haushalt verbraucht werden kann. So kann man den Elektrizitätswerken ein Schnippchen schlagen!

Die Energiekosten sind nachwievor hoch und viele Verbraucher suchen nach Möglichkeiten, den eigenen Stromverbrauch zu reduzieren. Doch irgendwann ist das maximal mögliche Einsparungspotential erreicht.

Die Lösung könnte dann der Betrieb einer eigenen Mini-Photovoltaikanlage (Mini-PV) sein, um die eigenen Stromkosten ohne Komfortverlust noch weiter zu reduzieren. Nach dem Motto: „Warum Strom teuer einkaufen, wenn ich ihn günstig selbst produzieren kann?“

Der Weg zum eigenen Stromversorger

Kleine PV-Anlagen (sogenannte „Balkonkraftwerke“) wurden genau für diesen Zweck entwickelt:

Meist zwei bis vier Photovoltaikmodule hängen am Balkongeländer, während ein wetterfest verpackter Wechselrichter den erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom wandelt und in das Stromnetz einspeist.

In Deutschland müssen große Photovoltaik-Anlagen müssen beim Netzbetreiber gemeldet und im Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur aufwändig registriert werden.

Oft sind zusätzliche Stromzähler und Absicherungen notwendig, welche den technischen Aufwand und damit auch die Kosten einer Photovoltaik-Anlage in die Höhe treiben.

Für Balkonkraftwerke gelten hingegen bestimmte Erleichterungen, wie eine vereinfachte Meldung und eine unkomplizierte Installation der Komponenten.

Allerdings ist die maximal einspeisbare Leistung solcher Anlagen gesetzlich beschränkt (aktuell 600 Watt, im Lauf des Jahres 2024 vermutlich auf 800 Watt erhöht). Diese Regelung berifft jedoch nur den Wechselrichter – nicht die theoretisch mögliche Leistung der Module.

Außerdem wird der eingespeiste Strom vom Netzbetreiber nicht vergütet. Sprich, ein Balkonkraftwerk lohnt nur, wenn der produzierte Strom auch sofort im Haushalt seine Abnehmer findet.

Als Lösung bieten viele Hersteller zusätzliche Stromspeicher an, in welchen der zuviel produzierte Strom „zwischengelagert“ wird und so abends bzw. nachts zur Verfügung steht.

Welche Kosten fallen für eine Mini-PV-Anlage an?

Neben dem Kaufpreis für die Photovoltaikanlage (Module, Verkabelung, Wechselrichter und Halterungen) kommen eventuell noch Kosten für die Schaffung einer passenden Steckdose im Außenbereich auf Balkon oder Terrasse hinzu.

Wer sich den Aufbau und die Inbetriebnahme nicht selbst zutraut (etwas handwerkliches Geschick ist vonnöten), muss den Aufwand für die Montage zur Kostenrechnung addieren.

Balkonkraftwerke können theoretisch nicht nur an Geländern und Brüstungen installiert werden, sondern auch auf Dächern jeglicher Art und sogar an Hauswänden. Welche Zusatzkosten hierfür anfallen, hängt maßgeblich vom benötigten Befestigungsmaterial ab.

Spezielle Gegebenheiten vor Ort wie lange Kabelwege oder zusätzliche Bohrungen bzw. Durchbrüche im Mauerwerk müssen ebenfalls berücksichtigt werden (sind aber durch eine geschickte Wahl des Aufstellorts oft vermeidbar).

Beispielrechnung:

Kaufpreis der PV-Anlage als Basis-Set
+ Stromspeicher (optional)

+ spezielles Befestigungsmaterial (optional)
+ Montage / Inbetriebnahme (optional)
= Gesamtpreis des Balkonkraftwerks

Welche Erträge bringt ein Balkonkraftwerk?

Die produzierte Strommenge einer Mini-PV-Anlage hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Anzahl und Ausrichtung der Module (Himmelsrichtung, Winkel)
  • Mögliche Verschattung im Tagesverlauf (z.B. durch Bäume und Gebäude)
  • Wirkungsgrad der PV-Module und des Wechselrichters

Ideal ist (für Deutschland) eine Neigung der Module um die 30° sowie eine Ausrichtung nach Süden.

Bei der finalen Berechnung der Wirtschaftlichkeit spielt auch das eigene Verbrauchsverhalten eine entscheidende Rolle: Ohne Speicher wäre ein möglichst konstant hoher Stromverbrauch unterhalb der gerade eingespeisten Leistung von 600 bzw. 800 Watt am effektivsten.

Vereinfachte Ertragskalkulation für Mini-PV-Anlage:

  • Mini-PV-Anlage, inklusive Befestigungsmaterial und Installation: 700 €
  • Erzeugte Strommenge pro Jahr: 500 kWh (Wert kann schwanken!)
  • aktuelle Stromkosten: 0,30 € pro kWh

→ bei einer Nutzung von 50 % des erzeugten Stroms: 75,00 € Ersparnis (250 kWh * 0,30 €/kWh)

→ bei einer Nutzung von 75 % des erzeugten Stroms: 112,50 € Ersparnis (375 kWh * 0,30 €/kWh)

→ bei einer Nutzung von 100 % des erzeugten Stroms: 150,00 € Ersparnis (500 kWh * 0,30 €/kWh)

Die Mini-PV-Anlage in unserem Beispiel würde sich im besten Fall nach etwa 5 Jahren, im schlechtesten Fall nach gut 9 Jahren amortisieren.

Ob sich ein zusätzlicher Stromspeicher lohnt, ist stark vom Anschaffungspreis abhängig (insbesondere Preis pro Kilowattstunde!). Die Akkus eines PV-Speichers halten im Schnitt etwa 5.000 Zyklen – also komplette Lade-/Entladevorgänge.

Je nach Kapazität des Speichers sollte auch die Anzahl der PV-Module erhöht werden, um den Speicher selbst bei ungünstigeren Witterungsbedingungen maximal zu füllen.

Vereinfachte Beispielrechnung für Stromspeicher:

  • Stromspeicher, Komplettpreis (inklusive Verkabelung): 500 € pro Kilowattstunde (kWh)
  • Zyklenzahl: 5.000
  • aktuelle Stromkosten: 0,30 € pro kWh

→ Stromspeicher mit 1 kWh Kapazität liefert während seiner Nutzungsdauer 5.000 kWh (5.000 Zyklen á 1 kWh). Diese haben einen theoretischen Wert von 1.500 € (5.000 kWh * 0,30 €/kWh).

Grundsätzlich lohnt sich ein Stromspeicher, sobald besonders in den Abend- und Nachtstunden ein erhöhter Stromverbrauch gegeben ist (z.B. Beleuchtung, Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräte).


Autor: Tobias Eichner | Datum der Veröffentlichung: April 2024
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