Fragwürdiger Trend: Die Trinkgeld-Taste am Bezahlterminal

Der Zwang zum Trinkgeld...

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Wo hat sich nur die Option versteckt, die Höhe des Trinkgelds selbst zu bestimmen - oder diesen Schritt beim Bezahlen ganz zu überspringen? Mal beim (noch lächelnden) Kellner fragen...
Wo hat sich nur die Option versteckt, die Höhe des Trinkgelds selbst zu bestimmen - oder diesen Schritt beim Bezahlen ganz zu überspringen? Mal beim (noch lächelnden) Kellner fragen...

Trinkgeld, so lautet die allgemeine Definition dieses Begriffs, ist eine freundliche Geste des Gastes für hervorragenden Service des Personals. Es kommt den teils schlecht bezahlten Arbeitnehmern in Restaurants, Bars, Hotels und bei anderen Dienstleistern zugute.

Vor allen Dingen soll Trinkgeld aber immer eines sein: Freiwillig! Dieser Trend wird seit geraumer Zeit von Cafés und Restaurants mit Hilfe moderner Technik unterlaufen – den Bezahlterminals.

Auch das Trinkgeld wird digital…

Seit Corona nimmt der Trend zum bargeldlosen Bezahlen auch in Deutschland zu. Trinkgelder hingegen wurden bislang bar dem Kellner am Tisch überreicht. Das geht nun vermeintlich einfacher:

Moderne Bezahlterminals für Giro-, Maestro- und Kreditkarten bieten den Betreibern seit einiger Zeit die Option einer automatisierten Tinkgeld-Abrechnung. Der Gast hat meist die Wahl zwischen mehreren festen Prozentsätzen, deren Basis der eigentliche Rechnungsbetrag darstellt.

Daneben gibt es die Option der manuellen Trinkgeldeingabe. Respektive selbiges auszuschlagen. Nur ist diese oft gut versteckt, während die Trinkgeld-Felder den größten Teil des Touchbildschirms einnehmen.

Was also tun – ein erzwungenes Trinkgeld zahlen, sich wegen des ausgewählten niedrigsten Prozentsatzes schlecht fühlen oder am Ende beim Personal explizit um Hilfe bitten, wie man diese Geste ablehnt? Die Hemmschwelle für Letzteres dürfte bei vielen doch relativ hoch liegen.

Nun kann man über das Geben bzw. Nicht-Geben von Trinkgeldern geteilter Meinung sein. Aber es ist schon ein sehr fragliches Unterfangen, dem Gast mehr oder weniger selbiges aufzuzwingen.

Wer kassiert die Trinkgelder am Ende?

Es gibt aber noch ein anderes Problem: Trinkgelder gehören den Angestellten, sie dürfen vom Inhaber eines Restaurationsbetriebs nicht einbehalten werden. Bei Barzahlung war das eindeutig, die Servicekraft konnte Münzen und Scheine im wahrsten Sinn des Wortes „in die eigene Tasche“ stecken.

Anders sieht es hingegen bei elektronischen Zahlungen aus. Trinkgelder landen zuerst einmal auf dem Konto des Eigentümers. Und ob diese auch tatsächlich (in voller Höhe) dem Personal zugute kommen – darauf muss man sich als Gast auf Treu und Glaube verlassen.

Grundsätzlich geht es hier um die alte Streitfrage „Trinkgeld ja oder nein?“. Für die einen ist es ein fester Lohnbestandteil für oft unterbezahlte Arbeitskräfte, für die anderen ein unfreiwillig freiwilliger Preisaufschlag auf sowieso schon gesalzene Essens- und Getränkepreise.

Und der Trend (respektive Unsitte) digitalen Trinkgelds treibt immer weitere Blüten – inzwischen gibt es bereits Fastfood- und SB-Restaurants, die auf diese Weise ihre Kasse aufbessern.

Fazit: Trinkgeldzwang schadet

Dem Gast bleibt nichts anderes übrig, als derartige Gastronomiebetriebe entweder zukünftig zu meiden, zähneknirschend zu zahlen oder einfach und im Zweifelsfall mit ein wenig Nachdruck genau die Summe an Trinkgeld zu geben, die man für angemessen hält.

Auf jeden Fall hinterlässt dieser fragwürdige Trend bei vielen Verbrauchern einen faden Nachgeschmack und könnte den nächsten Restaurantbesuch beeinflussen. Aber das kann keinem wirklich schmecken, oder?


Autor: Tobias Eichner | Datum der Veröffentlichung: November 2023
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