Teure Tricksereien mit Lebensmitteln – Shrinkflation

Bloß nicht darauf reinfallen!

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Weniger drin, aber derselbe oder ein höherer Preis. Manche Hersteller sind sich in Sachen Mogelpackung für nichts zu schade und versuchen, Verbraucher durch Täuschungsmanöver hinters Licht zu führen.
Weniger drin, aber derselbe oder ein höherer Preis. Manche Hersteller sind sich in Sachen Mogelpackung für nichts zu schade und versuchen, Verbraucher durch Täuschungsmanöver hinters Licht zu führen.

In Zeiten hoher Inflation lassen sich einige Lebensmittelhersteller gemeine Tricks einfallen, um steigende Preise dem kritischen Verbraucher gegenüber möglichst zu kaschieren.

Einer dieser gern genutzten Tricks heißt „Shrinkflation“ – hinter diesem Kofferwort aus „shrink“ (englisch für „schrumpfen“) und „flation“ für „Inflation“ steckt das Phänomen, weniger Packungsinhalt zum gleichen oder gar höheren Preis anzubieten.

Das funktioniert natürlich nur, solange der Käufer dies am Supermarktregel nicht bemerkt. Hier haben sich die Hersteller einige Täuschungsmanöver ausgedacht, die wir im Folgenden aufdecken.

Das sind die beliebtesten Mogelpackungen

Kommt Ihnen ein gern gekauftes Produkt eigenartig vor, können Sie es also im wörtlichen Sinn „nicht mehr ganz voll“ nehmen? Dann achten Sie auf diese Anzeichen, es könnte sich um eine ärgerliche Mogelpackung handeln:

Gleiche Packungsgröße trotz weniger Inhalt

Davon betroffen sind häufig Verpackungen aus Karton oder Kunststoff, die den Inhalt nicht offensichtlich zeigen. Von außen ist die geänderte Füllmenge damit nicht zu erkennen.

So wiegt dann schon mal das Seifenstück statt wie üblich 100 Gramm nur noch 90 Gramm. Eine versteckte – und bei vielen unbemerkt bleibende – Preiserhöhung um 10 %!

Dasselbe Spiel funktioniert auch bei Tafelschokolade. Die Tafel wird dünner und damit leichter, bleibt aber in Breite und Länge identisch. Ohne einen kritischen Blick auf das Produktgewicht ist dieser Trick kaum zu durchschauen.

Flachere Verpackungen gaukeln gleichen Inhalt vor

Noch perfider gehen Hersteller vor, die Flüssigkeiten oder von außen sichtbare Inhalte mengenmäßig beschönigen möchten: Die Packung behält ihre Höhe und Breite bei, sodass sich beim Anblick des Verkaufsregals nichts ändert – doch die Tiefe wird geringer.

Eine flachere Verpackung nimmt weniger Inhalt auf, suggeriert nach außen hin aber dieselbe Füllmenge.

Der „Neu und jetzt noch besser“-Trick

Manchmal lässt sich durch eine „optimierte“ Verpackung kein Blumentopf mehr gewinnen. Dann greifen Hersteller zu härteren Bandagen und entwickeln gleich ein vollkommen neues Design, das so gar keine Ähnlichkeit mehr mit dem ursprünglichen Produkt hat.

Und um jeden Vergleich zu unterbinden, kleben auch noch ein paar verkaufsfördernde Sticker drauf:

  • Neue Größe („New Size“)
  • Noch feinerer Genuss
  • Jetzt besser
  • Neue Packung, gleicher Geschmack

Wer hinterfragt jetzt noch einen eventuell sogar höheren Preis, wenn es dafür „feineren Genuss“ gibt? Was immer das bedeuten mag…

Dasselbe Spiel funktioniert mit „Rebranding“ – ein und dasselbe Produkt heißt nun X statt Y… sonst ändert sich nix – bis auf den Preis. Und hier wurden bereits Steigerungen von nahezu 130 % beobachtet. Eine Unverschämtheit den Kunden gegenüber, die man nicht mehr durch gestiegene Rohstoffpreise und höhere Lohnkosten erklären kann.

Gleiche Packung, gleicher Inhalt, minderwertige Rohstoffe

Es geht aber auch weniger auffällig: Bestimmte teure Rohstoffe wie Kakao, hochwertige Öle oder Fruchtbestandteile lassen sich kostengünstig ersetzen und damit sparen.

Entweder ist schlicht weniger drin (z.B. Trockenobst im Müsli, Kakao in der Schokolade) oder es wurde für billigeren Ersatz gesorgt (z.B. mehr Wasser als Pflanzenfett in der Margarine, Palmöl statt Olivenöl in der Nudelsoße).

Um diesen Trick zu entlarven, müssen Sie sich als geschickter Lebensmitteldetektiv betätigen…

Manchmal erkennt man Änderungen in der Rezeptur an Aussehen, Textur oder Geschmack. Kommen Ihnen bestimmte Inhaltsstoffe eigenartig vor, hilft eine kurze Suche im Internet bestimmt weiter.

Oder der Blick auf eine „alte“ Verpackung, die vielleicht noch im Vorratsschrank steht. Damit überführen Sie den Hersteller definitiv und können sich dann anders orientieren.

Was tun gegen Mogelpackungen?

Ganz einfach: Nicht kaufen!

Klingt simpel und ist es auch: Nur so können Sie die Hersteller für ihre kleinen Betrügereien bestrafen. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Anbieter mittelfristig zu seinen alten Packungsgrößen zurückkehrt.

Der Verbraucher stimmt mit seiner Geldbörse ab! Und das kann unlauteren Anbietern so richtig weh tun…

Greifen Sie am besten auf die Eigenmarken der Supermärkte und Discounter zurück. Diese sind qualitativ oft nicht schlechter und stammen manchmal sogar vom selben Hersteller wie das teure Markenprodukt.

Auf den Grundpreis achten!

Oder achten Sie verstärkt auf den Preis – angesichts unterschiedlicher Packungsgrößen klingt das erst einmal kompliziert. Ist es aber dank des gesetzlich vorgeschriebenen Grundpreises nicht:

Dieser findet sich (meist recht klein) auf dem Preisetikett am Regal abgedruckt und gibt den Preis umgerechnet für 100 Gramm Produktinhalt wieder. So lassen sich die Preise bequem vergleichen, unabhängig von der tatsächlichen Füllmenge der Packung.


Autor: Tobias Eichner | Datum der Veröffentlichung: Januar 2024
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