Nach Reifenwechsel Radmuttern nachziehen lassen… ernsthaft?

Warum das sinnvoll sein kann...

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Sollten Autofahrer dieses Werkzeug zum Anziehen von Radschrauben immer griffbereit liegen haben oder übertrieben Werkstätten mit ihren Ratschlägen etwas?
Sollten Autofahrer dieses Werkzeug zum Anziehen von Radschrauben immer griffbereit liegen haben oder übertrieben Werkstätten mit ihren Ratschlägen etwas?

Wer schon einmal in einer Kfz-Werkstatt die Reifen seines Auto hat wechseln lassen, dem kommt folgender eigenartiger Hinweis auf der Rechnung bestimmt bekannt vor:

Bitte lassen Sie die Radmuttern spätestens nach 50 km nachziehen!

Aber warum – traut die Werkstatt ihren eigenen Mitarbeitern nicht oder gibt es rechtliche Gründe bezüglich einer möglichen Haftung (sollte ein Rad mal schneller unterwegs sein als das restliche Fahrzeug)?

Ordnungsgemäß montierte Räder lösen sich nicht!

Grundsätzlich handelt es sich dabei um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Denn wenn die Radmuttern beim Reifenwechsel mit dem richtigen Drehmoment (und einem geeigneten Werkzeug) festgezogen wurden, sollte eigentlich nichts passieren.

Auch dürfen Werkstätten nicht so ohne Weiteres die Haftung auf den Kunden abwälzen. Immerhin haben Sie für eine fehlerfreie Ausführung des Räderwechsels gutes Geld bezahl. Also fallen auch versicherungstechnische Gründe für einen solchen Hinweis weg.

Warum man trotzdem nachsehen lassen sollte…

Nun ist das mit der „ordnungsgemäßen Durchführung“ natürlich immer so eine Sache. Selbst der beste Autoschrauber ist nicht davor gefeit, mal einen schlechten Tag zu haben.

Aber auch Materialermüdung, Verschmutzungen und Korrosion, Abnutzung am Gewinde der Schrauben oder frühere fehlerhafte Montagen sind wahrscheinliche Gründe für Probleme beim Reifenwechsel.

Soll heißen… Sie als Autofahrer sind zwar keinesfalls in der Pflicht, die montierten Räder später noch einmal zu prüfen. Aber es schadet auch nicht, nach einigen gefahrenen Kilometern einen fachkundigen Blick darauf werfen zu lassen.

Üblicherweise ist dieser kleine Service nämlich sogar im Preis des Reifenwechsels enthalten. Sie müssen lediglich etwas von Ihrer eigenen Zeit investieren. Die aber angesichts der Sicherheitsrelevanz der Räder eines Fahrzeugs gut angelegt ist.

Grundsätzlich sollten Radmuttern sowieso regelmäßig auf festen Sitz kontrolliert werden; sie gehören immerhin zu den sicherheitsrelevanten und stark belasteten Bauteilen eines Fahrzeugs. Lockere Radschrauben können im schlimmsten Fall dazu führen, dass sich ein Rad während der Fahrt löst – mit unabsehbaren Folgen für die Insassen und andere Verkehrsteilnehmer.

Auf das Fahrverhalten achten…

Natürlich dürfte dieser Sicherheitsanspruch im realen Leben nicht mehr als ein Wunsch bleiben. Wer hat schon Zeit (und Geld), regelmäßig in einer Werkstatt die Räder kontrollieren zu lassen. Und vielen Autofahrern fehlt es schlicht an der nötigen Expertise, solche Arbeiten selbst durchzuführen.

Daher sollten Sie unbedingt auf die Fahreigenschaften Ihres Autos achten, besonders die ersten 500 km nach einem Räderwechsel. Anzeichen für lockere Radmuttern können unter anderem sein:

  • unruhige („schwammige“) Lenkung, die teils verzögert reagiert
  • klopfende oder schlagende Geräusche während der Fahrt (geschwindigkeitsabhängig)
  • undefinierbares Rattern aus Richtung des Radkastens

In diesen Fällen SOFORT anhalten und die Reifen kontrollieren! Im Zweifel Pannendienst rufen. Keinesfalls dürfen Sie weiterfahren, auch nicht bis zur nächsten Werkstatt!


Autor: Tobias Eichner | Datum der Veröffentlichung: Februar 2024
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