Xylit – eine Wunderwaffe gegen Karies ?

So bleibt Ihr "süßer Zahn" gesund...

Weißer Zucker und xylithaltige Kaugummi-Dragees.
Weißer Zucker und xylithaltige Kaugummi-Dragees.

Xylit – was ist das ?

Xylit (auch Xylitol) ist ein Zuckerersatz, der erstmals 1890 in Buchenholzspänen isoliert wurde. Daher rührt auch sein alternativer Name „Birkenzucker“. Xylit findet als Lebensmittelzusatzstoff E967 Verwendung.

Der natürliche Zuckeralkohol ist Bestandteil vieler Obst- und Gemüsesorten: Pflaumen, Erdbeeren, Himbeeren und sogar Blumenkohl. Alle enthalten etwas weniger als 1 % ihrer Trockenmasse an Xylit.

Die Herstellung von Xylit basiert auf einem mehrstufigen Verfahren:

Den Grundstoff Xylane (Holzgummi) gewinnt man aus Harthölzern und landwirtschaftlichen Nebenprodukten wie Maisspindeln, Stroh, Getreidekleie oder Zuckerrohr-Bagasse. Mit Hilfe von Schwefelsäure wird bei Temperaturen von ca. 200 °C Xylose freigesetzt und mit einem Katalysator unter hohem Druck zu Xylit umgewandelt. Es existieren auch alkalische Extraktionsverfahren unter Zuhilfenahme von Natronlauge.

Darüber hinaus gibt es einige biotechnologische Verfahren (z.B. für den Hefepilz Candida tropicalis), die sich derzeit (Stand 2017) noch nicht in nennenswertem Maßstab etablieren konnten.


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Das Duell: Xylit vs. Zucker

Runde 1: Brennwert

Vergleichen wir die Eigenschaften von Xylit mit klassischem Haushaltszucker (Saccharose), dann sticht vor allem der um ca. 40 % niedrigere physiologische Brennwert von Xylit ins Auge. Bei annähernd gleicher Süßkraft (98 % von Zucker) lassen sich unter dem Strich also über 1/3 an Kalorien sparen.

Xylit beeinflusst den Blutzucker- und Insulinspiegel in geringerem Maß als Zucker und ist daher für Diabetiker ein gern gewählter Zuckerersatz.

Die Entscheidung: 0: 1… klarer Sieg für den Herausforderer Xylit.

Runde 2: Geschmack

Über Geschmack lässt sich ja streiten, nicht aber über den von Xylit, denn er ähnelt sehr stark unserem bekannten Haushaltszucker. Im Gegensatz zu anderen Süßungsmitteln wie beispielsweise Stevia, welches einen langanhaltenden bitteren Nachgeschmack hinterlässt oder dem leicht metallischen Unterton von Saccharin.

Xylit entzieht seiner Umgebung beim Lösen in Wasser Wärme und verursacht so einen kühlenden Effekt im Mund, vergleichbar mit dem von Menthol. Das Stichwort für Besserwisser heißt „endotherme Lösungswärme“ (genau -153,2 Joule pro Gramm).

Die Entscheidung: 1:1… der Klassiker Zucker gleicht aus, es steht unentschieden.

Runde 3: Verwendung

Xylit ist hitzestabil, eignet sich also wie Zucker hervorragend zum Kochen und Backen. Allerdings karamellisiert es nur bei Temperaturen von mehr als 200 °C, die außerdem mehrere Minuten lang gehalten werden müssen.

Die Entscheidung: 2:2… Zucker und Xylit punkten jeweils auf ihre Weise.

Runde 4: Anti-kariogene Wirkung

Bereits in den 70er Jahren wurde in klinischen Studien der Universität Turku (Finnland) die anti-kariogene Wirkung von Xylit mit wissenschaftlichen Methoden untersucht und weitestgehend bestätigt:

Die kariessäure-produzierenden Bakterien (vor allem Streptococcus mutans) können Xylit nicht verstoffwechseln und sterben ab; auch werden sie daran gehindert, als Biofilm an der Zahnoberfläche zu haften.

Xylit regt die Speichelproduktion an und neutralisiert so Säuren aus Lebensmitteln. Daneben unterstützt es die Remineralisierung des Zahnschmelzes und verstärkt den natürlichen Wiedererhärtungsprozess bei Initialkaries.

Die Entscheidung: 2:3… dieses Match gewinnt eindeutig Xylit für sich.

And the winner is… Xylit – oder ?

Aufräumen muss man mit der Vorstellung, daß es sich bei Xylit um ein rein natürliches Erzeugnis aus Birkenholz handelt, wie manche Hersteller gerne suggerieren. Xylit ist also so gesehen nicht besser oder schlechter als Zucker und die meisten anderen Süßungsmittel.

Positiv hervorzuheben sind seine nachgewiesene anti-kariogene Wirksamkeit und die zuckerähnlichen Eigenschaften, welche ihn zu einem guten Freund in jeder Küche werden lassen.

Aber ein Preisvergleich kann sich lohnen, denn Xylit ist mit ca. 12 € pro kg um ein Vielfaches teurer als Haushaltszucker.


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ℹ︎ Trivia – was man über Xylit auch noch wissen sollte…

➔ Xylit ist giftig für bestimmte Tiere, darunter Hunde, Rinder, Ziegen und Kaninchen. Es führt bei Aufnahme zu einem rapiden Abfall des Blutzuckerspiegels, verursacht außerdem bei Hunden Leberschäden und Störungen in der Blutgerinnung.

➔ Xylit hat bei Menschen eine leicht abführende Wirkung, die nach einer gewissen Gewöhnungszeit von mehreren Wochen nachlässt.

➔ Sozusagen für den „Eigenverbrauch“… im Zuge des Kohlenhydratabbaus produziert die menschliche Leber selbst täglich bis zu 15 Gramm Xylit.

➔ Einige Studien legen unter entsprechend hoher Dosierung (>10 Gramm täglich) eine prophylaktische Wirkung bei akuter Mittelohrentzündung nahe. Ebenso erleichtert Xylit die Aufnahme von Calcium im Darm, was einer Osteoporose vorbeugen könnte.


Stand der Informationen: Februar 2017

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