Garantie & Gewährleistung – das sind die Unterschiede

Achtung, Verwechslungsgefahr...

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Oje, da hat jemand einen Sprung in der Schüssel - ob hier auch das Gewährleistungsrecht greift?
Oje, da hat jemand einen Sprung in der Schüssel - ob hier auch das Gewährleistungsrecht greift?

Gerade erst gekauft und schon kaputt – das ist natürlich mehr als ärgerlich! Aber was kann man tun?

In welchen Fällen übernimmt die gesetzliche Gewährleistung, wann können Sie als Kunde auf die Erfüllung einer Garantie pochen und bei welcher Variante haben Sie mehr Rechte? Wir klären auf!

Gewährleistung vs. Garantie – kurz erklärt

Das Recht auf Gewährleistung (bzw. die Pflicht, eine solche überhaupt anbieten zu müssen) ist gesetzlich verankert. Es kann nicht widerrufen oder außerhalb des gesetzlichen Rahmens eingeschränkt werden.

Eine Garantie wird immer auf freiwilliger Basis geleistet; meistens geht sie vom Händler oder Hersteller aus, die diese entweder selbst anbieten oder die dadurch entstehenden Risiken von externen Versicherungsgesellschaften abdecken lassen.

Gesetzliche Gewährleistung

Das Recht auf Gewährleistung (eigentlich „Mängelhaftung“ oder „Mängelbürgschaft“) garantiert dem Käufer einer Sache, dass diese zum Zeitpunkt des Kaufs frei von Sach- und Rechtsmängeln ist, selbst wenn ein Fehler erst später sichtbar auftritt.

Als Kunde können Sie alle Ansprüche aus der Mängelhaftung grundsätzlich immer direkt an den Verkäufer richten. Dieser darf sie auch nicht einfach an den Hersteller oder Dritte verweisen, sondern muss selbst für die Abwicklung des Gewährleistungsfalls sorgen.

Tipp: Oft wird der Händler Sie trotzdem bitten, mit der Hotline des Herstellers Kontakt aufzunehmen, um beispielsweise einen Reparaturtermin zu vereinbaren. Dies kann für eine schnellere Abwicklung von Vorteil sein, darauf einlassen müssen Sie sich jedoch nicht. Auch ist der Händler verpflichtet, etwaige zusätzliche Kosten zu übernehmen (z.B. gebührenpflichtiger Telefonservice, Porto).

Dauer und Fristen der Mängelhaftung

Der übliche, vom Gesetzgeber festgelegte Zeitraum für die Mängelhaftung beträgt 24 Monate ab Kaufdatum und gilt sowohl für Privatkunden wie gewerbliche Nutzer (also falls Sie beispielsweise ein neues Smartphone kaufen und dieses geschäftlich einsetzen).

Ausnahme: Bei Gebrauchtwaren kann die Gewährleistungsfrist – allerdings nur nach vorheriger Zustimmung des Käufers – auf 12 Monate verkürzt werden.

In den ersten 6 Monaten wird davon ausgegangen, dass ein Defekt bereits bei Kauf der Sache vorhanden war. Während dieser Frist können Sie Ihre Rechte besonders einfach durchsetzen, denn im Zweifelsfall muss der Verkäufer den Gegenbeweis antreten.

Bei späteren Reklamationen gilt jedoch das Prinzip der Beweislastumkehr: Das bedeutet, es liegt nun an Ihnen, darzulegen, dass der Fehler schon beim Erwerb der Ware bestand. Ein Schlupfloch, welches leider manche unseriöse Händler für sich nutzen.

Mehr zum Thema Mängelhaftung lesen Sie im Beitrag „Gewährleistung: Das sind Ihre Rechte!“.

Freiwillige Garantieleistungen

Während das Gewährleistungsrecht also gesetzlich verankert ist, können Garantien zwischen Käufer und Verkäufer (bzw. Hersteller) frei vereinbart werden. Das betrifft sowohl die Dauer der Garantie, als auch deren Leistungsumfang und weitere Bedingungen.

Leistungsumfang

So kann sich eine Garantie nur auf einzelne Komponenten beziehen (z.B. Motor von Waschmaschinen, LCD-Panel von Fernsehgeräten), auf spezifische Eigenschaften (z.B. UV-Beständigkeit von Lackierungen) oder das Produkt im Ganzen.

Gut zu wissen: Eine Garantie ersetzt oder schränkt niemals Ihre Rechte im Rahmen der Mängelhaftung ein (die gesetzliche Gewährleistung hat stets Vorrang).

Garantie – sinnvolle Absicherung oder unnötiges Extra?

Bereits seit geraumer Zeit bieten Händler zusätzliche Garantieverträge beim Kauf von Unterhaltungselektronik oder Haushaltsgeräten an; meist verbunden mit dem Versprechen, Schäden nach Ablauf der Mängelhaftung (bzw. abseits der ersten sechs Monate) mehr oder weniger großzügig zu regulieren:

Ob eine solche Garantie sinnvoll ist oder nur ein trügerisches Gefühl von Sicherheit vermittelt, sollten Sie im konkreten Einzelfall entscheiden

Lesen Sie immer erst die Versicherungsbedingungen durch und vertrauen nicht nur auf die Aussagen des Werbeprospekts (oder des Verkäufers). Bei Unklarheiten sollten Sie unbedingt vor Abschluss nachhaken, um unliebsame Überraschungen im vermeindlich versicherten Schadensfall zu vermeiden.

Seien Sie skeptisch, falls der Abschluss des Vertrags nur direkt beim Kauf möglich ist; möchte man Sie vielleicht schlicht überrumpeln? Seriöse Anbieter händigen immer eine gedruckte Kopie der Bedingungen aus, beantworten offene Fragen und geben Ihnen vor allem Zeit zum Nachdenken.


Stand der Informationen: Mai 2019
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