Verkommene Netzkultur?

Früher war das Web besser... oder einfach nur anders ?

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Darauf folgte eines dieser fürchterlichen Katzenvideos (ich oute mich an dieser Stelle als jemand, der eine starke Antipathie gegen Katzen hegt). So unsagbar süß und übertrieben putzig – ich bin Vegetarier und engagierter Tierschützer – aber dieses Vieh wollte ich am liebsten als Bettvorleger sehen.

Am Ende meiner Tour erfuhr ich noch, dass eine entfernte Bekannte gerade zwei Wochen lang im Urlaub weilt, am Strand liegt und einen „Bienacollata“ schlürft (muss eine unbekannte lokale Spezialität sein)… wen verdammt nochmal interessiert das? Naja, außer einen Einbrecher, der dank vorhandener Profildaten binnen Minuten die Straßenadresse ausfindig machen könnte.

Moment mal. Es gibt doch auch auf Facebook „Gruppen“. Ja, sogar über Programmierung und anderen technischen Kram, der vielen Nutzern dieser Einrichtung wie der Blick in ein Uhrwerk vorkommen müsste. Genau: Facebook ist der neue Hort der Intelligenzija! Ja, von wegen.

In diesen Gruppen schilderte ich mein Anliegen gar nicht erst. Nach einigem Stöbern kam ich nämlich zu dem Schluss, dass mein Ego dafür nicht aufgebläht genug war. Jedes zweite Posting stank vor Eigenlob und Selbstbeweihräucherung, der Rest waren Anfragen für „Kooperationen mit ungewissem Ausgang“ 1] oder dümmliches Buzzwording. Und überhaupt gab es für jeden nur einen richtigen Weg – den eigenen.

1] So nenne ich gerne Anfragen von Glücksjägern, neudeutsch Entrepreneurs, die glauben, mit einer vagen Idee und ohne jegliche Erfahrung ein Multimillionen-Business auf die Beine stellen zu können. Irgendwo läuft bestimmt ein dummer Entwickler herum, der sich für ein paar wertlose Versprechen und noch wertlosere Unternehmensanteile die Nächte um die Ohren schlägt.


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Was lernen wir daraus? Kommt darauf an…

Dieses Erlebnis hat mir (wieder einmal) bewiesen, dass man sich heutzutage nur noch auf sich selbst verlassen kann. Vielleicht eine Eigenart der IT-Branche, in der jeder versucht, die Früchte seiner Arbeit – sein angesammeltes Fachwissen – nur für sich selbst aufzusparen und mit niemandem zu teilen.

Inzwischen suche ich mir noch sorgfältiger aus, in welchen Foren und an welchen Fachdiskussionen ich mich beteilige:

Mein Engagement in Boards und Netzwerken hat alles in allem stark nachgelassen. Das ist einerseits schade, andererseits bewahrt es mich davor, einem dahergelaufenen Scriptkiddy erklären zu müssen, dass es etwas mehr braucht als zu wissen, wie man einen „Battle im Game Pock-Mo-Go gegen Jadahadu Irriwatschi“ für sich entscheidet.

Und natürlich überlege ich mir inzwischen auch, wem ich mit meinem Wissen und mit meinen Tipps weiterhelfe. Es gibt einige, aber das sind persönliche Freunde, die ebenfalls im IT-Bereich arbeiten und auf die ich selbst bei Bedarf zählen kann. Hoffe ich zumindest.

So baut sich also jeder seine eigene persönliche Community. Nur dieses Mal braucht es dazu das Web nicht mehr. Schade eigentlich.


Datum der Veröffentlichung: 9. April 2017
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